Geschwister – Warum beim zweiten Kind alles anders ist

Geschwister, die auf einer Bank sitzen. Der große Bruder gibt dem Baby einen Kuss.

Wenn durch ein zweites Baby aus einem Kind Geschwister werden, wird die gesamte Familie vor neue Herausforderungen gestellt. Mama und Papa müssen auf die Bedürfnisse von zwei Kindern eingehen, die Nächte werden wieder anstrengender und das erste Kind wird entthront. Das alles klingt sehr schwierig, aber trotzdem lohnt es sich. Ich zeige euch, warum.

Geschwister – Freunde für immer

Ich habe drei Brüder und bin froh darüber. Natürlich gab es auch bei uns Streit, Eifersucht und Schimpfworte. Aber dafür hatte ich als Kind immer jemanden zum Spielen, als Jugendliche immer mindestens einen Verbündeten und als Erwachsene habe ich immer jemanden zum Zuhören. Ich kann mir nicht vorstellen, ein Einzelkind zu sein und wollte auch selber niemals nur ein Kind haben. Mein Mann zum Glück auch nicht.

Meine Empfehlungen für Mamas und Papas:

Was beim zweiten Kind einfacher wird

Erfahrung und Routine

Irgendwie ist vieles einfacher. Das Stillen, Wickeln, Schlafen legen, selbst Blähungen und Erkältungen sind einfacher zu handhaben. Das liegt daran, dass beim zweiten Kind selten etwas wirklich neu ist. Aber leider hilft die Routine nicht immer, denn Tatsache ist, dass du diesmal ein Baby und ein Kleinkind zu versorgen hast. Und das kann manchmal schon echt anstrengend sein, denn schließlich möchtest du ja beiden Kindern gerecht werden.

Beim zweiten Kind waren mein Mann und ich generell schon entspannter als bei unserem ersten Sohn. Wir wussten schon, dass wir es packen, uns um einen kleinen Menschen zu kümmern. Aber leider ist es so, dass die Elternzeit beim zweiten Baby nicht so entspannt ist. Es beginnt schon damit, dass dein großes Kind nur einen Halbtagsplatz in der Kinderbetreuung hat. Das bedeutet, dass du dein Baby meist wecken musst, dann hat es Hunger und wenn du eigentlich schon unterwegs sein müsstest, dann ist natürlich die Windel voll!!! Zudem möchte das große Geschwisterkind am Nachmittag ja auch deine Aufmerksamkeit haben.

Daher ist es sehr wichtig, dass du dir deinen Tag einteilst und Hilfe von deinem Partner, deiner Partnerin sowie den Großeltern annimmst. Aber du kannst sicher sein, dass ihr euch alle an den neuen Rhythmus gewöhnen und entspannte Tage haben werdet. Das Buch “Willkommen Geschwisterchen: Entspannte Eltern und glückliche Kinder”* kann dir zusätzlich helfen, denn du bekommst Antworten auf viele Fragen, die du bei deinem ersten Kind definitiv noch nicht hattest.


Aus “Fehlern” lernen

Ich denke nicht, dass wir bei unserem ersten Kind Fehler gemacht haben. Wir haben alle Bedürfnisse unseres Kindes erfüllt und unserem Sohn die volle Aufmerksamkeit geschenkt. Bei zwei Kindern funktioniert das aber nicht mehr so einfach. Wie auch? Schließlich kannst du dich als Mama oder Papa nicht zweiteilen, sondern musst einfach entscheiden, welches Kind deine Aufmerksamkeit gerade am dringendsten benötigt.

Ich kenne viele Eltern, denen es genauso geht. Wir alle haben aber auch festgestellt, dass die zweiten Kinder meist selbstständiger und offener sind. Mit Sicherheit liegt das auch daran, dass wir Eltern beim zweiten Kind einfach nicht mehr die Zeit haben wie beim großen Geschwisterkind. Wir können beispielsweise nicht bei jedem Wehwehchen eine halbe Ewigkeit trösten, sondern es wird einmal kurz gepustet und gedrückt und dann muss auch gut sein. Zudem müssen die kleinen Geschwister manchmal länger warten und haben eben nicht immer unsere volle Aufmerksamkeit. Dadurch probieren die jüngeren Geschwister aber auch Sachen aus, wo wir beim ersten Kind noch ängstlich daneben gestanden haben.

Geschwister lernen voneinander

Unser zweiter Sohn hat sich sehr viel von seinem großen Bruder abgeschaut. Ständig möchte er ihm nacheifern, was dem Großen nicht immer passt, dem Kleinen aber egal ist. Sprachlich und motorisch ist er dadurch wirklich fit. Besonders auf dem Spielplatz ist mir aufgefallen, dass mein kleiner Sohn sich viel mehr zugetraut hat als mein großer im selben Alter. Die jüngeren Geschwister sehen nicht die Gefahren, sondern einfach nur den großen Bruder oder die große Schwester. Das bedeutet aber für dich, dass du jetzt besonders beim Klettern dein jüngeres Kind im Auge behalten musst.

Es macht sich tatsächlich auch in der Erziehung bemerkbar, dass die großen Geschwister viele Dinge vorleben. Die Kleinen wissen dadurch schon genau, worauf in der Familie Wert gelegt wird und übernehmen daher schon von vornherein einige gewünschte Verhaltensweisen. Dennoch wirst du feststellen, dass dein kleines Kind auch die Grenzen austesten wird, zumeist sehr vehement. Denn schließlich wird der große Bruder oder die große Schwester schon mehr Dinge selbstständig entscheiden dürfen. Das bedeutet für dich, dass du deine Erziehung an die unterschiedlichen Bedürfnisse deiner Kinder anpassen musst, damit es harmonisch zugeht.

Was beim zweiten Kind schwieriger wird

Kein Kind ist wie das andere

Wenn dein erstes Kind pflegeleicht war, bedeutet das nicht, dass das beim Geschwisterkind ebenso ist. Das wäre ja auch langweilig! Versuche, bestmöglich auf die Bedürfnisse beider Kinder einzugehen, auch wenn das manchmal viel Kraft und Nerven kostet.

Bei meinen Jungs ist das beispielsweise so: Wenn sich mein Großer wehgetan hat, braucht er einfach meine Umarmung und eine kleine Kuscheleinheit. Ich gebe ihm diese, denn ich weiß, dass er meine Aufmerksamkeit benötigt. Mein kleiner Sohn ist jedoch damit zufrieden, wenn ich ihm einmal liebevoll über den Kopf streichel.

Behalte daher immer im Hinterkopf, dass du deine Kinder nicht gleich behandeln musst. Ganz im Gegenteil! Wenn du als Mama oder Papa individuell auf die Bedürfnisse deiner Kinder eingehst, machst du alles richtig.

Eifersucht des älteren Geschwisterkindes

Für ein Kind ist es eine enorme Umstellung “entthront” zu werden. Wenn plötzlich die Bedürfnisse deines ersten Kindes nicht mehr in dem Maße befriedigt werden wie vor der Geburt des Geschwisterkindes, kann dies sehr frustrierend sein.

Es ist daher sehr wichtig, dass du dein Kind schon während der Schwangerschaft auf das Baby vorbereitest. Mit dem Buch “Hallo Baby, wann kommst du?”* ist uns das sehr gut gelungen. Wir konnten unserem großen Sohn zeigen, wie das Baby im Bauch wohnt und wie sich die Familie verändern wird, wenn das Baby da ist. Zudem war mir persönlich sehr wichtig, dass in dem Buch nicht die eigentliche Geburt zu sehen ist. Außerdem war unser großer Sohn beim Ultraschall dabei, was ihm sehr gefallen hat. Nach der Geburt des kleinen Geschwisters gab es ein Begüßungsgeschenk* vom kleinen an den großen Bruder.

Involviere dein erstgeborenes Kind auch schon von Beginn an in die Pflege des Geschwisterkindes. Dadurch merkt es, dass es trotz des Babys wichtig ist und mithelfen darf. Schaffe dir außerdem zeitliche Freiräume für dein großes Kind, indem beispielsweise Oma und Opa mit dem Baby spazieren gehen.

Geschwister – Tägliche Streitereien

Du kannst davon ausgehen, dass es zwischen deinen Kindern täglich zu Streitereien kommen wird. Dabei geht es entweder um Spielzeug, Aufmerksamkeit oder Machtkämpfe. Auffallend ist, dass dabei häufig die jüngeren Geschwister einfach hauen, kratzen oder beißen. Denn nur so können sie ihren stärkeren Geschwistern etwas entgegensetzen.

Wichtig ist, dass du nicht bei jeder Streiterei von vornherein dein älteres Kind bittest, Rücksicht zu nehmen. Das kann nämlich dazu führen, dass die Eifersucht Überhand gewinnt. Außerdem solltest du das Streiten nicht verbieten oder ständig eingreifen, denn es ist wichtig, dass Kinder für ihre Bedürfnisse einstehen. Sie müssen jedoch erst lernen, wie das richtige Streiten funktioniert. Dazu gehört natürlich auch das Verzeihen und Kompromisse finden. Ein Streit unter Geschwistern ist ein Konflikt in einem sicheren Raum und daher eine gute Möglichkeit, eine eigene Streitkultur zu entwickeln.

Ich habe diesbezüglich auch sehr viel lernen müssen, denn Tränen und Geschrei macht es uns Eltern leider nicht einfacher, bei einem Streit nur danebenzustehen. Aber ich kann euch sagen, dass es sich lohnt!

Wenn ihr jedoch merkt, dass ein Streit ausartet, es zu Verletzungen oder ständigen Demütigungen kommt, solltet ihr die Wogen glätten. Fragt eure Kinder nach ihren Gefühlen und versucht gemeinsam eine Lösung zu finden. Und denkt auch daran, dass es bei einem Streit egal ist, wer angefangen hat, denn beide haben mitgemacht!

Spontane Unternehmungen

Als du nur ein Kind hattest, konnte dieses entscheiden, worauf es Lust hat. Es wird mit zwei Kindern aber häufig vorkommen, dass jedes etwas anderes möchte.

Versuche einfach auch in solchen Situationen gelassen zu bleiben oder Kompromisse zu finden. Wie wäre es, wenn du ein kleines Glas mit Zetteln füllst, auf denen unterschiedliche Aktivitäten stehen? Bei uns stehen beispielsweise:

  • Spielplatz A,
  • Spielplatz B,
  • Strand,
  • Wald,
  • Oma & Opa,
  • Enten füttern,
  • Tierpark,
  • Fahrrad fahren.

Was ich mir jedoch angewöhnt habe und euch auch sehr an Herz lege, ist es, keine Versprechungen am Vortag zu machen! Denn leider kann das Wetter auch mal den geplanten Ausflug zum Strand verhindern.

Bist du bereit für ein zweites Kind?

Wenn du das Gefühl hast, dass deine Familie noch nicht komplett ist und du bereit bist, ein bisschen mehr Action in deinem Leben zu haben, dann solltest du es versuchen.

Für uns war es die richtige Entscheidung. Auch wenn es manchmal drunter und drüber geht, wissen wir, dass unsere Kinder immer zusammenhalten werden. Und uns als Eltern wird mit Sicherheit niemals langweilig werden!

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